Christoph Konradi

Ich habe mich früh in meinem Leben gefragt, was mich stärkt und was mich schwächt, was mich leidend und was mich glücklich sein lässt. In vielen Jahren der inneren und äußeren Schulung bin ich seither dieser Frage nachgegangen. In meiner Arbeit teile ich meine Erkenntnisse, die ich auf diesem Weg erfahren habe, mit den Menschen, die ich begleite. 

Lebensweg

Ich wurde 1978 in Frankfurt a.M. geboren und lebe heute in der Nähe von Wismar an der Ostseeküste, angebunden an das moderne Kloster Gut Saunstorf - Ort der Stille. 

Mein Leben war immer von der Frage begleitet: Warum leide ich? Als Kind war mir diese Frage nicht bewusst, aber mir war klar, dass es etwas geben muss, was jenseits dieser Wahrnehmung ist. 

Das Leben hat mich immer wieder an Momente des Scheiterns und der Ohnmacht geführt. Die Konfrontation mit der Schwäche, die ich dadurch erlebte, hat mir tiefe Einblicke in das Wirken der Kraft erlaubt. Die Schwäche als Tor zur Kraft zu entdecken öffnet einen Raum, der mir lange verborgen war. Die Hingabe an die Schwäche ist es, die mich letztendlich in einer Kraft und Klarheit leben lässt, die ich mir immer gewünscht habe. Das ist ein großes Paradoxon. 

So ist es auch dieser Zusammenhang, der mir in der Arbeit mit Menschen und im Speziellen mit Männern sehr am Herzen liegt. Wie ist es möglich, die Kraft zu erkennen, die mein Leben führt, wie ist es möglich, aufrichtig und in innerer Autorität zu leben, ohne falsche Härte, ohne falsche Weichheit? Wie ist es möglich, das Alleinsein zu verwirklichen in der Lebensgemeinschaft mit Menschen?
 
In meiner Arbeit gehe ich geistigen Mustern und Verhaltensweisen auf den Grund. Es geht mir nicht darum, Dinge zu verändern, es geht mir darum, Dinge ans Licht zu führen und sie bewusst zu machen. Kräfte und Wirkweisen, die aus dem Unbewussten ins Bewusste kommen, verändern von sich aus das Leben. Es ist oft unangenehm, sich diesen Schichten zu stellen, doch genau sie sind es, die unsere Potenziale frei setzen. Es ist ein Weg ohne Verurteilung, ein Weg der Akzeptanz und des Mitgefühls.

Die Auseinandersetzungen mit diesen Fragen und Schichten führten mich auf dem Lebensweg zu meinen Lehrern. Frère Roger, als Lehrer der Güte, dessen Wirken ich als Kind bei vielen Besuchen in einem ökumenischen Orden in Taizé (Frankreich) erleben durfte. Thich Nhat Hanh, dessen Bücher mich als Jugendlicher Achtsamkeit und Konzentration lehrten. Der Weisheitslehrer und Philosoph OM C. Parkin, der mich in meinem Wachstum seit fast 20 Jahren begleitet. Die Erfahrungen, die ich seit über 15 Jahren in der Inneren Schule, die er im modernen Kloster auf Gut Saunstorf leitet, mache, haben mich an den Ort geführt, von dem aus ich heute lebe und arbeite.